Was ist Homöopathie?

Schlaglichter auf die Homöopathie

Ganzheitliche homöopathische Behandlung
  • Ganzheitlichkeit

  • Die klassische Homöopathie nach Dr. med. S. Hahnemann bietet sehr umfassende und breit anwendbare Therapiemöglichkeiten. Sie besteht nun seit über 200 Jahren und wird immer mehr in das therapeutische Angebot medizinischer Heilberufe integriert. (Siehe z.B.: Hahnemann University Hospital, Dr. med Jens Wurster, Klinikum Uni-München)

    In unserer Zeit ist wieder ein verstärktes Bedürfnis nach Therapieformen zu erkennen, die den Menschen in seiner Ganzheit wahrnehmen und behandeln und nicht nur eine Therapie für begrenzte Lokalsymptome oder eine fixe, schulmedizinische Krankheitskategorie darstellen. Dr. med. J.T. Kent, ein berühmter amerikanischer Homöopath, hat diesen Gedanken in folgendem Ausspruch markant formuliert: 'The patient, not the disease.' Frei übersetzt: 'Der kranke Mensch ist zu behandeln und nicht die Krankheit.'

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  • Kent betont damit die Wichtigkeit der individuellen Ausdrucksform einer Erkrankung, die letztlich entscheidend ist für die Wahl des passenden Arzneimittels. Dabei ist besonderen Wert auf den veränderten Allgemeinzustand zu legen, nicht nur auf örtliche Pathologien. Symptome, allgemeine oder lokale, werden als Ausdruck der individuellen Immunkraft verstanden, um den Organismus im Gleichgewicht (Homöostase) zu halten. Wird der Immunkraft die Möglichkeit genommen (z.B. durch medikamentöse Unterdrückung), diese Symptome zu erzeugen, werden andere, neue Symptome erzeugt, meist an zentralerer, bedrohlicherer Stelle. Die Krankheit verschlimmert sich, das gesundheitliche Niveau sinkt immer weiter ab. Die therapeutische Konsequenz: Die Ganzheit Mensch muss behandelt werden. Symptome sind zu heilen nicht zu unterdrücken/verschieben.

Homöopathisches Simile
  • Die Arbeit des Homöopathen

  • Im Kern besteht die Arbeit des Homöopathen darin, die ‚Schwingung’ des Patienten zu erkennen und für sie eine möglichst deckungsgleiche ‚Schwingung’ in einem homöopathischen Arzneimittel zu finden: ‚Similia similibus curentur’ – nach Hahnemann, übersetzt: 'Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt'. Dies ist das bekannte Simileprinzip oder Ähnlichkeitsprinzip, welches im Zentrum der gesamten homöopathischen Philosophie steht.

    Konkret bedeutet das: Ein Arzneimittel, welches beim Gesunden ein bestimmtes Symptomenspektrum hervorruft, wird zur Therapie eines Erkrankten mit einer sehr ähnlichen Symptomatik verwendet. Dabei entscheidet die Ähnlichkeit über die Wirksamkeit des Mittels. Ein unähnliches Mittel bleibt bei einmaliger Anwendung weitgehend wirkungslos, ein sehr ähnliches Mittel zeigt eine ausgeprägte Wirkung. (Das ist übrigens auch die Erklärung, warum das Einnehmen einer ganzen Flasche Globuli keinen Gegenbeweis für die Wirksamkeit der Homöopathie darstellt: Wenn jemand einmalig irgendein Mittel einnimmt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er gerade zufällig sein Simillimum gewählt hat, sehr gering. Es muss geradezu wirkungslos bleiben, da nur ein Simile oder das Simillimum wirkt. Dieser 'Test' demonstriert also nur die Unkenntnis der Wirkprinzipien der Homöopathie bei den 'Testern'.

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  • Wenn hingegen jeder 'Tester' eine ganze Flasche seines Simillimums einnehmen würde, gäbe es weniger Kritiker der Homöopathie... Erfahrung ist der beste Lehrer.)

    Das Herausarbeiten der Ähnlichkeit zu einer Arznei erfordert ein wirkliches Eingehen auf den Patienten in der Anamnese, ein Zuhören, bei dem der Homöopath relevante Symptome von gängigen unterscheidet und so den individuellen Charakter und die Besonderheit gerade dieses Patienten herausfiltert. Dazu sind bevorzugt gerade die Allgemeinsymptome und Lebensumstände des Patienten heranzuziehen. Dieses Prinzip wird Individualisierung genannt.

    Die orthodoxe Medizin basiert gerade auf dem gegensätzlichen Prinzip: Generalisierung. Bestimmte Symptomengruppen definieren Krankheiten, definierte Krankheiten lösen Standardtherapien aus.

    Wenn nun ein Therapeut, z.B. ein Arzt, beide Herangehensweisen praktizieren will, kommt er nicht nur aus Zeitmangel in Schwierigkeiten. Er muss seine, unter großen Mühen und über lange Zeit eingeprägten Denkschemata verlassen, zumindest zeitweise. Für flexible Geister eine gute Übung, für Dogmatiker ein unüberwindliches Hindernis.

Heilpraktiker, Homöopathie und Schulmedizin
  • Homöopathie und Schulmedizin

  • Um den individuellen Ausdruck einer Erkrankung bei einer bestimmten Person von den häufigsten Symptomen einer Krankheit differenzieren zu können, ist die schulmedizinische Kenntnis Voraussetzung. Die Physiologie/Pathologie/Innere Medizin zeigt dem Homöopathen das allgemeine Bild, im Sinne von: Wie zeigt sich die Erkrankung üblicherweise? Wie funktioniert der gesunde Organismus?

    Beispielsweise eine Migräne: Hier gibt es für den Homöopathen ca. 200 Mittel zur Behandlung. Welches ist das richtige Mittel? Weitere individuelle Kriterien zur Differenzierung müssen herangezogen werden, sonst wird das Simillimum verfehlt.

    In der Materia Medica, also der homöopathischen Arzneimittellehre, sind alle Arzneimittel mit ihren Symptomen gelistet, die sich durch Arzneimittelprüfungen an Gesunden und durch Heilungen von Erkrankten (sogenannte 'klinische Symptome') ergeben haben. Dabei kann die Zahl der Symptome pro Mittel in die Tausende gehen, was die Anwendung der Homöopathie sehr anspruchsvoll und zu einer ‚Heilkunst’ macht. Je besser die Mittel dem Homöopathen bekannt sind, desto leichter gelingt ihm das Erkennen des Mittels im Patienten.

    Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Homöopath nicht jeden Patienten mit jeder Erkrankung erfolgreich behandeln kann. Besonders in chronischen Fällen ist es nicht mit einem einzigen Mittel getan. Viele Schichten ('Schichtenmodell' in der Homöopathie) müssen behandelt werden, bis die Gesundheit wieder eintritt. (Wer in 30 Minuten Schmerzfreiheit/Gesundheit erwartet, sollte lieber zu bekannten Schmerzmitteln greifen.)

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  • Eine chronische Verstimmung der Lebenskraft hat viel zu tun mit 'dem allgemeinen Lebensgefühl', Reizen, denen man ausgesetzt war, mit Bewältigungsstrategien, Haltungen auf Grund der eigenen Werte, Wahrheiten und Sichtweisen. All dies kann sich im Laufe eine Konstitutionsbehandlung neu justieren.

    Der Heilungsprozess geht so 'natürlich' vor sich, dass der Patient diesen Prozess selbst meist nicht bemerkt. Natürlich bemerkt er als Resultat eine deutlich gesteigerte Lebenskraft, Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Wohlbefinden. Aber der Prozess der Gesundung verläuft nach demselben Prinzip wie die Gesundheit selbst: Nur die Krankheit spüren wir, die Gesundheit macht keine Symptome. Der Effekt: Oft muss der Patient erinnert werden, dass er krank war, dass er bestimmte Symptome hatte, die ihm dann wieder einfallen und er für diesen kurzen Moment seine Gesundheit, als Differenz dazu, spüren kann. Das bewirkt mindestens ein Lächeln...

    Zur konventionellen Medizin: Sie ist natürlich unentbehrlich. In meiner Praxis richte ich mich nach dem dualen Prinzip: 'Schulmedizin, wenn nötig. Homöopathie, wenn möglich.'

    Entscheidend für die langfristige Erhaltung der Gesundheit ist eben der kluge Einsatz der passenden Therapieformen. Diese Klugheit lehrt meist erst die Erfahrung.